Genau vor einem Jahr hatte ich ganz große Pläne für 2020. Ich hatte mir vorgenommen mein kleines Business richtig wachsen zu lassen, viele schöne Hochzeiten zu fotografieren und damit meinen Reportagestil auf ein neues Level zu heben. Dazu wollte ich meine 3 Mädels zu professionellen Hochzeitsfotografinnen ausbilden, so dass wir gemeinsam unverwechselbare Erinnerungen schaffen, die meine Brautpaare bei jedem Anblick zu Tränen rühren würden, weil es so schön ist!

Eine Technik, die ich dabei anwenden wollte und in die ich mich hoffnungslos verliebt habe, ist es, von einem Moment verschiedene Perspektiven zu fotografieren. Denn dann entsteht fast der Eindruck wie in einem echten Film und im Album kommen solche Bilder erst richtig zur Geltung.

Stell dir einmal vor wie es wäre, Bilder von der ersten Reaktion deines Bräutigams zu haben, wenn er dich zum ersten Mal im Brautkleid sieht. Und nicht nur seine, sondern passend dazu auch deine erste und echte Emotion ist zeitgleich abgebildet. Wie schön wäre das? Und wie schön wäre es auch den Einzug von dir als Braut zur Trauung in ähnlicher Weise zu fotografieren? Unbezahlbar, oder?

Die Schwierigkeit solcher Momente besteht nämlich darin, dass ich mich als Fotografin nicht zeitgleich auf Braut und Bräutigam konzentrieren kann, während ihr beide einander zugewandt seid. Jedenfalls nicht, ohne einen erheblichen Aufwand zu betreiben. Ich müsste mich nämlich rasend schnell um euch bewegen und selbst dann ist nicht garantiert, dass ich den Moment wunderschön ablichte. Außerdem möchte ich in solch emotionsgeladenen Augenblicken so wenig wie möglich stören, da diese Zeit allein euch gehört. Darum besteht die viel schönere Lösung darin, zu zweit zu fotografieren, weil sich jeder von uns dann nur auf eine Person fokussieren muss und auch die Ausbeute an berührenden Bildern viel höher ist.

Ebenso kann diese Technik auch bei Gruppenbildern angewendet werden. Denn während ich mich auf die Gruppe konzentriere, kann meine Zweitfotografin wunderbar eine seitliche Perspektive einnehmen und dann wird aus einem einfachen Gruppenbild plötzlich eine kleine Geschichte. Nicht nur ich, sondern auch meine Kunden lieben diesen Bildeindruck.

Und genau hier sind wir nun im Herzen dieses Beitrags angekommen! Denn so sehr ich es mir auch wünschte, so gelang es uns im Jahr 2020 nur bei einer Hand voll Hochzeiten in der Art wie oben beschrieben als Team zu fotografieren. Die Gründe hierfür sind bekannt: stornierte bzw. zahlen- und zeitmäßig extrem reduzierte Feiern.

Bei den wenigen Hochzeiten, wo unser Teamwork gelang, bekam ich leider nicht das Recht, die Bilder zu veröffentlichen, da sich die Paare dagegen entschieden. Natürlich ist es schade für mich und mein Marketing, aber dennoch respektiere ich die Entscheidung.

Nachdem ich dann feststellte, dass ich keine einzige Hochzeitsreportage aus dem Jahr 2020 zeigen kann, fragte ich mich, wie wichtig eigentlich aktuelle Bilder bei der Akquirierung neuer Kunden sind? Ist es wirklich so entscheidend oder gibt es noch andere Faktoren, die ein Paar veranlassen, mich als ihre Hochzeitsfotografin zu buchen?

Ziemlich schnell viel mir dann wieder ein, dass es nicht nur um die Bilder allein geht, sondern vor allem auch um mich als Mensch! Ich verbringe mit euch als Brautpaar einen der emotionalsten Tage eures Lebens und natürlich wollt ihr bei so einem Ereignis jemanden an eurer Seite haben, der euer Vertrauen weckt und der euch sympathisch ist. Es sollte fast so sein, als würde man einen Freund einladen.

Darum konnte ich nach einer winzigen Schockstarre wieder schnell entspannt und beruhigt weiter atmen. Denn eine Eigenschaft, die mich und viele andere Fotografen auszeichnet, ist eine gute Portion Empathie. Ich bin sehr mitfühlend, respektvoll und einfühlsam und ich denke, diese Eigenschaft ist sehr wichtig als Hochzeitsfotografin. Es braucht nicht nur ein gutes Gespür für den richtigen Augenblick, sondern auch ein Gefühl für den Menschen, um emotionale Bilder aufzunehmen.

Und somit freue ich mich auf all das was kommt in diesem neuen Jahr 2021 und ich bin mir sicher, es wird ganz fantastisch werden.

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